Aber wie lässt sich ein solch bizarres Verhalten erklären?
Auf einer tief unbewussten Ebene geben die allermeisten Alleingeborenen sich die Schuld am Tod ihres Zwillings (oder ihrer beiden Drillinge). Und diese Schuldgefühle können sich in allen erdenklichen Formen manifestieren.
Um das nachvollziehen zu können, muss man sich vor Augen führen, dass ein Ungeborenes noch über keinen hinreichend funktionsfähigen Neocortex verfügt.
Beim Neocortex handelt es sich um den grössten und stammesgeschichtlich jüngsten Anteil der Grosshirnrinde. Die Frontallappen, die den grössten Teil des Neocortex ausmachen, entwickeln sich erst ab dem zweiten Lebensjahr mit zunehmender Geschwindigkeit.
Somit ist ein Ungeborenes unmöglich in der Lage zu erkennen, woran oder weshalb sein (oder seine) Geschwister verstorben sind. Stattdessen ist es überzeugt, es sei schuld an seinem (oder ihrem) Tod.
Die auf Fehlinterpretationen beruhenden Schuldgefühle sind vielfältig und für uns logisch denkende Erwachsene kaum nachvollziehbar. Und doch beeinflussen diese beim vorgeburtlichen Geschwisterverlust entstandenen Fehlinterpretationen – sogenannte «Glaubenssätze» – das zukünftige Leben von Alleingeborenen in fataler Art und Weise:
Denkbar sind etwa folgende Fehlinterpretationen, die ihr Unterbewusstsein jedoch für wahr hält:
«Mein Zwilling ist gestorben, weil ich geschlafen habe, statt auf ihn aufzupassen.»
«Mein Zwilling ist gestorben, weil ich in der Gebärmutter zu viel Platz für mich in Anspruch genommen habe.»
«Mein Zwilling ist gestorben, weil ich so sehr am Leben hing, statt an seiner Stelle zu sterben.»
«Mein Zwilling ist gestorben, weil ich nicht den Mut hatte, mich für ihn zu opfern.»
«Mein Zwilling ist gestorben, weil ich ihn nicht genug geliebt habe.»
«Mein Zwilling ist gestorben, weil ich mich zu viel bewegt habe und ihn so zu Tode getreten habe.»
«Mein Zwilling ist gestorben, weil ich zu schnell gewachsen bin und ihm zu viel Nahrung weggenommen habe.»
«Mein Zwilling ist gestorben, weil ich ihm nicht geholfen habe, damit er überlebt.»
Selbst wenn all diese Überzeugungen nicht den wahren Gegebenheiten entsprechen, führen sie doch dazu, dass Alleingeborene sich für alles Mögliche und Unmögliche schuldig fühlen – selbst dann, wenn die Schuld eindeutig nicht bei ihnen liegt und sie nichts falsch gemacht haben ….
WICHTIG: Falls Du in Erwägung ziehst, unter der Rubrik «Selbsttest» den dort angebotenen Test durchzuführen, dann ist es von Vorteil, wenn Du Dir die Rubrik «Symptome» erst nach dem Absolvieren desselben anschaust. Ansonsten könnte dies Deine Antworten beeinflussen, und das Testresultat würde dadurch weniger aussagekräftig.